Stellt man bei Google die Frage „Wer ist Hofmeister?“ wird gleich an dritter Stelle – nach der Begriffserklärung des historischen Amtes und der Erwähnung des Botanikers gleichen Namens – der BMW Ingenieur Wilhelm Hofmeister genannt. Hofmeister war als Karosserieentwickler dafür verantwortlich, dass Anfang der 1960er-Jahre erstmals ein BMW Serienfahrzeug mit jenem charakteristischen Knick in der C-Säule vom Band lief, der heute als Hofmeisterknick bekannt ist. Seitdem sind zahlreiche Modelle – Coupés, Limousinen, Touring- und Utility-Fahrzeuge – mit diesem Designelement entstanden. Es ist daher nicht übertrieben zu sagen: Das von Wilhelm Hofmeister erdachte, charakteristische Stilelement ist heute eine Ikone des BMW und BMW M Designs. Wie es dazu kam? Hier kommen die Fakten.






LET'S TALK ABOUT ... HOFMEISTERKNICK.
LET'S TALK ABOUT ... HOFMEISTERKNICK.
Die Niere, die markante Sicke in der Seitenansicht, viele Jahre lang die Doppelrundscheinwerfer, die L-förmigen Rückleuchten – es gibt einige Designmerkmale, die sofort mit BMW in Verbindung gebracht werden. Dazu gehört auch der sogenannte Hofmeisterknick. Darunter versteht man die enge Kurve, oder den Knick, in der Säule des hintersten Seitenfensters, bei Limousinen als C-Säule bezeichnet, sonst als D-Säule.
Der Hofmeisterknick erfüllt mindestens zwei wichtige Designfunktionen: Einerseits fungiert er als historisch verbindendes Stilelement zwischen den verschiedenen BMW Generationen aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Andererseits ist er ein Designelement, das dem Auge den Übergang vom sogenannten Glashaus, also Fenster, Dach und Säulen, zur unteren Karosserie des Fahrzeugs erleichtert.

Die stärksten Designikonen werden nicht durch eine Strategie geschaffen.
Doch woher hat der Hofmeisterknick seinen Namen? Er geht auf den langjährigen Leiter der Karosserieentwicklung bei BMW, Wilhelm Hofmeister, zurück. Dieser war übrigens kein Designer, sondern Ingenieur und Bereichsleiter. Und damals war der Bereichsleiter für Karosserieentwicklung de facto auch Chef des BMW Designs. Man muss laut dem BMW Designexperten Carp aber so ehrlich sein: Der markante Knick ist keine Erfindung von BMW, auch nicht von Hofmeister. Er tauchte schon in den 40er-Jahren des letzten Jahrhunderts an Karosserien auf, an Automodellen aus den USA und Italien. Zuerst bei zweitürigen Coupés und gar Cabrios, etwas später dann auch bei Limousinen.
Bereits Mitte der 1950er-Jahre gab es ein paar Zeichnungen von einem Knick in der C-Säule, ab 1960 dann ernsthafte Entwürfe dazu. Laut Carp hat der Einfluss italienischer Designer – Giovanni Michelotti und Giorgio Giugiaro – dafür gesorgt, dass das Element festen Eingang in die Designsprache von BMW fand – und eben dank Hofmeister auch dort blieb.

Die vorherrschende Meinung, der Knick sei aus Gründen der Karosseriestabilität „erfunden“ worden, treffe für BMW nicht zu, sagt Carp. Es bestehe also keine technische Notwendigkeit für ihn. Ein funktionaler Vorteil sei, dass der Knick eine größere Seitenfensterfläche in der Tür ermögliche, ohne dafür ein zusätzliches Fenster vor der C-Säule zu integrieren. Designtechnisch sorge die Kurve für mehr Linien- und Oberflächenspannung und so für eine dynamischere Seitenansicht. Er mache den Auftritt eines Fahrzeugs robuster, jedoch nicht schwerfällig, so Carp weiter .
Erstmalig zu sehen war der Hofmeisterknick bei BMW an den auf der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) 1961 in Frankfurt am Main präsentierten Neuheiten BMW 3200 CS und BMW 1500. Und als nur wenige Jahre nach ihrer Gründung die M GmbH im Jahr 1978 das erste komplett in Eigenregie entwickelte Fahrzeug, den Supersportwagen BMW M1, vorstellte, zeigte auch dieser sogleich den markanten Knick vor den C-Säule.
Seitdem ist der Hofmeisterknick nicht mehr wegzudenken aus der BMW Designsprache. Hofmeister selbst hat den Knick sozusagen salonfähig gemacht und konsequent in das Design der folgenden BMW Modelle integriert.

Der Hofmeisterknick markiert den Beginn einer neuen BMW Designsprache.
AUSNAHMEN BESTÄTIGEN DIE REGEL.
AUSNAHMEN BESTÄTIGEN DIE REGEL.
Hin und wieder verzichteten die Designer auf das charakteristische Stilelement, zum Beispiel bei bestimmten BMW Touring Versionen oder dem BMW Z3 M Coupé. Davon abgesehen findet man den variierenden Schwung in der Dachsäule bei allen möglichen Karosserietypen: Limousinen, Tourings, Coupés, Cabriolets oder SAVs. Und so hat sich der BMW Knick Kultstatus erarbeitet und wird fest mit den Fahrzeugen von BMW in Verbindung gebracht.

Wie wird es mit dem markanten Knick weitergehen? Laut Carp sind der Entwicklung keine Grenzen gesetzt. Denn der Hofmeisterknick entwickelt sich stets weiter. Ein Blick auf die BMW M Visionsfahrzeuge zeigt eine große Vielfalt an Interpretationen des Hofmeisterknicks. So steht der Knick manchmal im Vordergrund, bei anderen Modellen eher im Hintergrund. Manchmal ist er eher skulptural ausgeprägt, wie etwa beim BMW Vision M NEXT, wo er sich als Teil Karosserie zeigt und von der Linienführung auf der ausgeprägten Schulterpartie nachgezeichnet wird. Der Hofmeisterknick ist mal mehr ausgeprägt, mal weniger, größer oder kleiner, runder oder eckiger. Doch eines bleibt er immer: ein festes und markantes Element der BMW Designsprache.

















