KEIN PLATZ FÜR FEHLER.
Sie sind eng, unübersichtlich, mit wenig Auslaufzonen und Spielraum für Fehler: Für viele professionelle Rennfahrer gelten Stadtkurse als die größte Herausforderung im Motorsport. Auch BMW und BMW M Werksfahrer gingen und gehen auf Strecken, auf denen im Alltag gemächliches Tempo mit Stop and Go herrschen, unter Rennbedingungen immer wieder an die Grenzen von Mensch und Maschine. Manche dieser Strecken sind mittlerweile Geschichte, aber alle diese Strecken haben Geschichte geschrieben. Hier kommt eine Auswahl der aufregendsten Stadtkurse der Welt.



MOTORSPORT IN DER MOTOR CITY.
MOTORSPORT IN DER MOTOR CITY.
Die Schaffung des Detroit Street Circuit war in gewisser Hinsicht nur folgerichtig. Die Stadt wurde im frühen 20. Jahrhundert zum Zentrum der weltweiten Automobilindustrie und erwarb sich damit den Spitznamen „Motor City“ – und was könnte treffender sein als Motorsport in der Motor City? In den 1980er-Jahren kämpften erstmals die Fahrer der Formel 1 und später auch der IndyCar-Serie in den Straßenschluchten von Detroit um Hundertstelsekunden, angefeuert von den Zuschauern, die den Straßenrand säumten.
Über die Jahrzehnte änderten sich Streckenverlauf und -länge des Detroit Street Circuit immer wieder. Zwischenzeitlich wurde der Stadtkurs sogar auf eine Insel verlegt, auf die zentral gelegene Belle Isle im Detroit River, die so etwas wie das Detroiter Äquivalent des Central Parks ist. Doch seit 2023 ertönt das Röhren der Motoren wieder in den Straßen der Innenstadt. Auf der nunmehr 2,736 Kilometer langen Strecke tritt seit 2024 auch BMW M Motorsport im Rahmen der IMSA-Serie an, bei der Philipp Eng und Marco Wittmann im BMW M Hybrid V8 in der 2026er-Saison für das BMW M Team WRT auf dem Podium gestanden haben.

RACING UNTER PALMEN.
RACING UNTER PALMEN.
Long Beach kann für sich beanspruchen, den Grundstein für das Konzept der professionellen Straßenrennen in den USA gelegt zu haben. Noch im Gründungsjahr 1975 holte die Stadt im Los Angeles County die Formel 5000 auf den jungen Long Beach Street Circuit, im Jahr darauf folgte sogleich die Formel 1. 1984 fand der erste IndyCar Grand Prix statt.
Auch dank der Idee, den Motorsport ins Herz von Long Beach zu holen, wurde aus der nachrangigen Hafenstadt eine pulsierende Reisedestination. Der Boom führte dazu, dass sich auch der Streckenverlauf des Long Beach Street Circuit änderte. Gegenüber dem ursprünglichen Layout wurden aus 13 Kurven zwischenzeitlich 18, heute sind es 11. Eine Runde beträgt 3,167 Kilometer, die weitläufige Kurve des Shoreline Drive blieb bei allen Änderungen als vertraute Konstante für die Fahrer als Highlight erhalten.
BMW M Motorsport Fahrzeuge fahren bereits seit Langem Erfolge auf der Stadtstrecke ein. Das BMW Team RLL unter Leitung von Bobby Rahal hat zwischen 2009 und 2015 zahlreiche Podien und drei Gesamtsiege in Long Beach geholt.
Heute ist der Grand Prix von Long Beach ein fester Bestandteil der IndyCar- und der IMSA WeatherTech SportsCar-Meisterschaften. BMW M tritt mit dem BMW M Hybrid V8 und dem BMW M4 GT3 EVO auf dem Straßenkurs an.

RUNDENZEIT VON UNTER 1 MINUTE.
RUNDENZEIT VON UNTER 1 MINUTE.
Bereits 1938 fand auf dem zunächst namenlosen Rundkurs in Nürnberg das erste Motorradrennen statt, das vom deutschen Piloten Georg Meier auf einer BMW 500 Kompressor gewonnen wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg, 1948, wurde erstmals ein Autorennen rund um die bis dahin wenig ruhmreiche Zeppelintribüne ausgetragen – mit Erfolg. Die ab 1950 als Norisring bekannte Strecke – Noris ist die latinisierende Schreibung des Stadtnamens – wurde mehr und mehr zu einer der bekanntesten deutschen Rennstrecken und ist bis heute der einzige deutsche Stadtkurs im professionellen Motorsport.
Das Layout des Kurses wurde über die Jahrzehnte immer wieder verändert, die Distanz blieb jedoch seit 1972 mit 2,3 Kilometern gleich lang. Trotz der nur vier Hauptkurven und Rundenzeiten unter einer Minute ist die Strecke für wildes Racing in unmittelbarer Nähe von Betonmauern, extreme Geschwindigkeiten auf der Geraden und harte Bremsmanöver inklusive Positionskämpfe vor der Grundig-Kehre bekannt.
Das ADAC Norisring Speedweekend mit dem DTM-Lauf ist das alljährliche Highlight auf diesem Stadtkurs. Neben der DTM sind auch weitere Rennserien, ein Rahmenprogramm mit Stuntshows, Fahrten von Renntaxis und Musikkonzerten Teil des Events.

DIE HEISSESTE UND HÄRTESTE RUNDE.

DIE HEISSESTE UND HÄRTESTE RUNDE.
Was aus der Luft betrachtet wie eine leuchtende Schlange aussieht, ist der von 1.700 Flutlichtern beleuchtete Marina Bay Street Circuit während des Formel-1-Nachtrennens in Singapur. Er gilt international als schnellster und schwierigster Stadtkurs. Keine andere Rennstrecke bietet diese extreme Mischung aus vielen Kurven und hohen Bodenwellen. Dazu kommen schweißtreibende Temperaturen um die 30 Grad und eine relative Luftfeuchtigkeit von 84 Prozent – manchen Fahrern kam es schon vor, als würden sie Rennen in einer Sauna fahren.
Der Stadtkurs, der vollständig über öffentliche Straßen führt, bietet einerseits zahlreiche 90-Grad-Kurven, andererseits kurze Geraden, auf denen bis zu 325 km/h erreicht werden. Der Wechsel aus schnellen Geraden und engen Kurven nötigt den Fahrern höchste Konzentration und fahrtechnisches Können ab. Die ehemalige „Singapore Sling“-Dreifach-Kurve, dem Namen eines berühmten Cocktails nachempfunden, wurde vor einigen Jahren durch eine einfache Linkskurve ersetzt. Die Schleudergefahr war hier einfach zu hoch.


Es ist, als würde man mit einem Hubschrauber durchs Wohnzimmer fliegen.
WO DER GLAMOUR FAHRT AUFNIMMT.
WO DER GLAMOUR FAHRT AUFNIMMT.
Monaco steht für Glamour, Geld und Superjachten. Und natürlich den adrenalingeladenen Großen Preis von Monaco, der die Geschichte des Motorsports bis heute prägt. Der 1929 eröffnete Circuit de Monaco gehört zu den berühmtesten Rennstrecken der Welt. Der Traditionskurs gilt als große Herausforderung für die Fahrer. Das geringe Durchschnittstempo von 150 km/h auf dem 3,337 Kilometer langen Kurs täuscht dabei über den wahren Schwierigkeitsgrad der Strecke. Denn auf dem Circuit de Monaco herrscht vor allem eines: wenig Platz. Es gibt fast keine Auslaufzonen, die engen Straßen zwingen die Fahrer in Kurven millimeternah an die Leitplanke und machen Überholmanöver fast unmöglich. Über die Massenet-Kurve sagte David Coulthard einmal: „Da fährt man mit gut 200 rein. Und du fühlst dich wie ein Ball in einem Flipperautomaten.“
Die kurze Gerade im Tunnel bis zur Nouvelle Chicane ist der einzige Streckenabschnitt, auf dem die Fahrer durchgängig beschleunigen können und die Tachonadel sich schon mal 300 km/h nähert. Den Rekord hält Kimi Räikkönen, der dort 2003 mit 300,9 km/h geblitzt wurde. Auf dem Stadtkurs von Monaco zählt daher weniger die Geschwindigkeit als vielmehr Köpfchen und eiserne Nerven. Das bewies 2003 auch Juan Pablo Montoya. Der Kolumbianer startete das Rennen als Dritter und fuhr dank guter Strategie im Williams FW25, der von dem legendären BMW P83-V10-Motor angetrieben wurde, zum Sieg.

LÄNGSTER STADTKURS DER WELT.
LÄNGSTER STADTKURS DER WELT.
Macau, rund 60 Kilometer westlich von Hongkong: Hier fließt mehr Geld durch die Slot-Machines als in Las Vegas. Aber in Macau treffen sich nicht nur Glücksspieler, sondern auch Rennsportenthusiasten aus der ganzen Welt – zum Macau Grand Prix auf dem Guia Circuit. Dann rasen Formel-3-Wagen, Tourenwagen, Motorräder und GT-Fahrzeuge durch die engen Straßen der am dichtesten besiedelten Stadt der Welt. Dabei passieren sie superenge Kurven, die der Strecke den gewissen Nervenkitzel verpassen.
Besonders berüchtigt ist der Melco Hairpin mit einer Streckenbreite von nur sieben Metern. Der Stadtkurs von Monaco ist zwar insgesamt enger als Macau, trotzdem gilt Macau als noch nervenaufreibender. Denn zu den stattlichen 22 Kurven gibt es auf den Geraden immer wieder längere Vollgaspassagen, bei denen die Fahrer auf Topgeschwindigkeiten bis 275 km/h kommen. Dazu gesellen sich wenige Auslaufzonen, Mauern als Spurbegrenzung und die Verbindung aus blinden Kuppen und Höhenwechseln.
Für BMW M Motorsport holte sich auf der Strecke erstmals Augusto Farfus im Jahr 2018 den ersten Platz am Steuer des BMW M6 GT3. Im Jahr 2024 folgte ein Doppelpodium, als Farfus und Teamkollege Sheldon van der Linde mit dem BMW M4 GT3 den zweiten und dritten Platz in Macau belegten.



BROOKLYN UNTER STROM.

BROOKLYN UNTER STROM.
Die Skyline New Yorks vor sich und Staten Island im Rückspiegel – so fühlen sich Rennfahrer in New York. Zwischen 2017 und 2022 startete die Formel E im Stadtbezirk Brooklyn. Die Freiheitsstatue ragt dabei keine drei Kilometer vom Brooklyn Street Circuit entfernt aus dem Meer. Nach den Worten des ehemaligen Bürgermeisters Bill de Blasio verkörpert New York den optimalen Austragungsort für die Formel E. Davon konnten sich ab der Saison 2018/2019 auch die Fahrer des erstmals startenden BMW Formel-E-Teams überzeugen.
Der temporäre Stadtkurs erstreckte sich abhängig vom Austragungsjahr zwischen 1,947 und 2,373 Kilometern, bot 14 Kurven und leitete die Teilnehmer über öffentliche Straßen in Brooklyn und durch die Hafenanlagen im Bereich des Brooklyn Cruise Terminals – im Hintergrund strahlt die Skyline von Manhattan. Nach Umbauten für den Schiffsverkehr im Jahr 2023 eignete sich der Brooklyn Street Circuit nicht länger für den Rennbetrieb der Formel E, die daraufhin nach Portland auswich.

STRECKE MIT AUSSICHT.
STRECKE MIT AUSSICHT.
Der Hong Kong Central Harbourfront Circuit wurde zwischen 2016 und 2019 für den Hong Kong E-Prix genutzt und gehörte zu den außergewöhnlichsten Stadtkursen überhaupt. Denn Hong Kong Island ist mit 15.800 Einwohnern pro km2 nach Macau und Monaco der am dichtesten besiedelte Austragungsort der Welt für professionelle Autorennen. Dementsprechend eng und kurvenreich – einschließlich zwei waschechter Haarnadelkurven – fiel diese Rennstrecke aus und schlängelte sich zwischen den Wolkenkratzern und über Stadtbahnschienen durch die Metropole. Mit 1,86 Kilometern war sie zudem der kürzeste Stadtkurs, was am Ende den Ausstieg aus dem Motorsportgeschehen herbeiführte. Die FIA legte ab 2020 eine Mindeststreckenlänge von 2,2 Kilometern fest, was aufgrund der engen Bebauung in Hongkong nicht umsetzen ließ.
2019, im letzten Jahr des Stadtkurses, nahm auch BMW an der Formel-E-Meisterschaft in Hongkong teil. BMW i Andretti Motorsport schickte dafür den BMW iFE.18 ans Südchinesische Meer. So konnten die Fahrer Alexander Sims und António Félix da Costa die Einzigartigkeit des Hong Kong Central Harbourfront Circuit erleben, bevor er aus dem Rennkalender genommen wurde.

MIT ÜBER 300 DURCH DIE ALTSTADT.
MIT ÜBER 300 DURCH DIE ALTSTADT.
Mit über 300 km/h durch eine wunderschöne Altstadt? Genau das passiert einmal im Jahr beim Großen Preis von Aserbaidschan. Der Baku City Circuit führt während des Formel-1-Rennens vorbei an zahlreichen Sehenswürdigkeiten wie den wunderschönen Palästen der Hauptstadt und entlang der malerischen Uferpromenade am Kaspischen Meer. Die Strecke wird seit 2016 von der Formel 1 genutzt. Eröffnet wurde der gut sechs Kilometer lange Stadtkurs Ende 2014, wo kurz darauf die Blancpain Sprint Series Station machte, an der auch ROAL Motorsport mit dem BMW Z4 GT3 teilnahm.
Der Baku City Circuit gilt als einer der schnellen Stadtkurse und besteht aus acht Rechts- und zwölf Linkskurven. Zu den Highlights gehören die enge Kurve 8, die gerade mal 7,6 Meter breit ist, und die Vollgasgerade zwischen Kurve 16 und Kurve 1, die sich über zwei Kilometer erstreckt. Den Geschwindigkeitsrekord auf dieser Passage hält der Finne Valtteri Bottas, der 2016 seinen Formel-1-Wagen auf 378 km/h beschleunigte. Den Baku-Stadtkurs zeichnet buchstäblich auch ein Tiefpunkt aus: Mit 28 Metern unter dem Meeresspiegel liegt auf der Start-Ziel-Geraden des Baku City Circuit der topografisch tiefste Punkt des Formel-1-Kalenders.
DER STOFF FÜR LEGENDEN.

DER STOFF FÜR LEGENDEN.
Stadtkurse verfügen über eine Besonderheit, die permanente Rennstrecken kaum bieten können: Sie bringen den Motorsport direkt in die Stadt und erlauben dem Publikum entlang des gesamten Streckenverlaufs, unmittelbar dabei zu sein. Ein Rennen vor der Skyline von Singapur, entlang der Stadtmauer von Baku oder durch die Straßen von Monaco erzeugt Bilder, die auf der ganzen Welt einen enormen Wiedererkennungswert hervorrufen. Für das Publikum, ganz gleich ob vor Ort oder als Fernsehzuschauer, ergibt sich auf diese Weise ein besonders einprägsames Erlebnis von Motorsport.


















