LEGO Gruppe x BMW M
BMW M und LEGO Fans konnten bereits in der näheren Vergangenheit das eine oder andere Bauvergnügen erleben: Ob BMW M 1000 RR, die BMW M Motorsportfahrzeuge BMW M Hybrid V8 und BMW M4 GT3 oder aktuell der EVO-Nachfolger von LEGO® Technic – viele faszinierende M Modelle sind bereits als LEGO Set erschienen.
Bei der neuesten Zusammenarbeit mit dem traditionsreichen Unternehmen aus Dänemark markierte das 40-jährige Jubiläum des BMW M3 den Ausgangspunkt für eine besondere Teamarbeit: Zum ersten Mal haben sich die Designer der LEGO Gruppe und BMW M zusammengetan, um ein besonderes Design für den LEGO® Speed Champions BMW M3 E30 zu entwerfen, das dem Anlass gerecht wird. Denn 40 Jahre BMW M3 bedeuten auch: 40 Jahre BMW M Motorsport Historie.
Von Anfang an war beiden Seiten klar, dass dieses Jubiläum etwas ganz Besonderes verdiente. Die Idee, gemeinsam eine einzigartige Lackierung zu entwerfen, nahm Gestalt an, und im Laufe mehrerer produktiver Sitzungen entwickelten die LEGO Gruppe und BMW eine gemeinsame Vision. Höhepunkt war ein Workshop, der im Forschungs- und Innovationszentrum (FIZ) in München stattfand. Er markierte den Beginn einer außergewöhnlichen Reise durch Kreativität, Leidenschaft und die Kunst der Technik.
Während einer Pause im Workshop-Programm lud Frank van Meel William Thorogood zu einer kurzen Spritztour im BMW M3 Touring durch die Stadt ein.
INTERVIEW MIT DEN DESIGNERN.

INTERVIEW MIT DEN DESIGNERN.
Von klein bis groß, vom echten Motorsport bis zum Miniatur-Modell: Großartiges Design erfordert mutige Entscheidungen. Und so wurde das gemeinsame Treffen bereits genutzt, um die gestalterische Ausrichtung des neuen LEGO® Speed Champions BMW M3 E30 festzulegen. Im Anschluss konnten wir uns mit Will Thorogood, Leiter Design bei der LEGO Gruppe, und Michael Scully, Leiter Design bei BMW M zu einem Interview treffen.

Name: Will Thorogood
Beruf: Head of Design, New Business
Ausbildung: MDes Transport Design
LEGO Designer, weil: Als Kind wollte ich Autodesigner werden und verbrachte meine Zeit damit, Autos zu zeichnen und sie aus meinen LEGO Steinen zu bauen. Ich studierte anschließend Fahrzeugdesign und hatte das Glück, während meines Studiums ein Praktikum bei der LEGO Gruppe zu finden, das zu meiner Karriere als LEGO Designer führte.
Lieblingsset von LEGO: LEGO® Technic „Test Car“ 1990 – Set 8865
Lieblingsmodell von BMW M: M1 Procar

Will, der legendäre BMW M3 E30, den du und dein Team gemeinsam mit dem Designteam der BMW Group entworfen haben, wird Teil der Reihe LEGO® Speed Champions sein. Was war dein erster Gedanke, als du von dem Projekt gehört hast?
Ich war natürlich unglaublich begeistert. Wahrscheinlich hätte ich mich nicht so stark einbringen sollen, wie ich es getan habe, aber bei diesem Projekt konnte ich einfach nicht anders. Ich bin damit aufgewachsen, mit meinem Vater Tourenwagenrennen zu schauen und die E30 M3 in Rad-an-Rad-Kämpfen zu sehen, daher war es fantastisch, an den Feierlichkeiten zum 40-jährigen Jubiläum des Fahrzeugs mitwirken zu dürfen.
Das Modell ist ein Blickfang. Wie war die Zusammenarbeit mit dem Designteam der BMW Group, und wie hast du gemeinsam diese einzigartige Livery entworfen?
Es war großartig, gemeinsam mit dem Designteam der BMW Group diese besondere Lackierung zum Leben zu erwecken. Die Möglichkeit, über die Geschichte und die Legende des E30 M3 sowie über die zukünftige Ausrichtung der Marke zu diskutieren, hat uns sehr dabei geholfen, eine einzigartige Lackierung zu entwerfen. Wir begannen mit einem Online-Gespräch, um die Dinge in Gang zu bringen, hielten dann aber gemeinsam einen Workshop bei BMW Design in München ab, wo wir das echte Auto studieren und die Lackierung direkt besprechen konnten. Am Ende hatten wir eine gemeinsame Vorstellung davon, was die wichtigsten Aspekte des Designs sein sollten, und tauschten uns anschließend per Telefon und E-Mail aus, um das Design fertigzustellen. Dieser gesamte Prozess dauerte etwa vier Monate.



Wie betrachtest du das Original und kommst dann auf Lösungen in der Umsetzung?
Zunächst versuchen wir, die wichtigsten Designelemente des echten Autos zu identifizieren, und schauen dann, wie sich jedes davon in Form von LEGO Steinen interpretieren lässt. Natürlich wollen wir keine Replik des Autos im „Die-Cast“-Stil schaffen, sondern eine Interpretation aus LEGO Bausteinen. Daher ist es für uns entscheidend, die wichtigsten Designdetails und Proportionen genau zu treffen, um dies in einem so kleinen Maßstab zu erreichen. Ebenso müssen wir unseren Fans ein großartiges Bauerlebnis bieten. Daher betrachten wir jeden Aspekt der Art und Weise, wie die Steine zusammenpassen, wie sie geformt sind und wie wir die Farben aufteilen können – auch beim Entwurf der Lackierung für das Auto –, um sicherzustellen, dass es auch in Form von LEGO Steinen funktioniert.
Gibt es Vorgaben dazu, welche Komponenten für den Bau von LEGO® Speed-Champions-Sets verwendet werden müssen?
Wir versuchen stets, Elemente zu verwenden, die sich leicht für den Bau anderer Dinge nutzen lassen, aber es gibt keine bestimmten Steine oder Elemente, die wir jedes Mal verwenden müssen. Bei LEGO® Speed Champions haben wir einen festgelegten Maßstab, sodass wir wissen, dass die Autos acht Noppen breit sind und dass es eine Minifigur geben wird, die das Auto fährt. Aber abgesehen davon steht es uns frei, das LEGO System so kreativ wie möglich zu nutzen, um das Gesamtbild und die Ausstrahlung des Autos auf möglichst authentische Weise wiederzugeben.
Es ist für uns unerlässlich, auf jedes Detail zu achten, wenn wir Autos in diesem Maßstab entwerfen.
Scheinwerfer, Spoiler, Dachlinie – viele Autos haben ein oder mehrere sehr markante Merkmale, ohne die das Modell nur schwierig zu erkennen wäre. Worauf hast du beim BMW M3 E30 besonders geachtet?
Auf alles! Das mag vielleicht etwas einfach klingen, aber es ist für uns unerlässlich, auf jedes Detail zu achten, wenn wir Autos in diesem Maßstab entwerfen. Wir untersuchen stets jedes Detail und überlegen, wie es mit unseren vorhandenen Steinen gebaut werden kann. Der BMW M3 E30 weist viele einzigartige Details auf, und es war uns wichtig, zu verstehen, welche davon sich gut in Steine umsetzen lassen und wie diese das Gesamtdesign des Modells beeinflussen könnten.
Was war deiner Meinung nach die größte Herausforderung während der Entwicklung?
Es mag angesichts der quadratischen Form der LEGO Steine vielleicht widersprüchlich klingen, aber der Bau von eher kantigen Autos ist in LEGO Form eine Herausforderung. Je feiner die Formgebung, desto schwieriger ist es, sie nachzubilden, ohne dass sie extrem eckig wirkt. Die Essenz des E30 M3 und die feinen Details in diesem Maßstab nachzubilden, war für das Team sicherlich eine Herausforderung, aber wir sind mit dem Endergebnis sehr zufrieden.
Gibt es ein Detail, ein „Easter Egg“ oder ein geschickt eingesetztes LEGO Element am Modell, auf das du besonders stolz bist?
Wir haben unser Bestes gegeben, um die wichtigsten Details des Autos nachzubilden, und manchmal müssen wir dafür über den Tellerrand schauen. Für den Bau der ikonischen Niere werden beispielsweise zwei Bausteine verwendet, die viele als Gabeln bezeichnen – eine wirklich lustige Überraschung beim Bauen! Wir haben uns für die Gabeln entschieden, da sie die besten Elemente waren, um genau dieses Detail originalgetreu nachzubilden, und das ist ein wesentliches Merkmal vieler LEGO® Speed-Champions-Sets. Die überraschende Verwendung von Teilen hält den Baumeister immer auf Trab!
Aufkleber vs. bedruckte Teile ist in der LEGO Community stets ein heißes Thema. Wir vermuten, dass der Entscheidungsprozess angesichts der komplexen Livery dieses Modells besonders schwierig war?
Wir wissen, dass unsere Fans die bedruckten Elemente lieben – und wer tut das nicht! Wir müssen immer Entscheidungen treffen, und dieses Modell bietet beides. Manchmal entscheiden wir uns aufgrund der Form dafür, etwas als bedrucktes Element zu gestalten. Wenn es sich um eine Form handelt, auf die sich ein Aufkleber nur schwer anbringen lässt, sieht das Ergebnis nicht gut aus. Manchmal liegt es an der Größe oder der Platzierung des Steins. Ich persönlich finde, dass Aufkleber dem Baumeister die Wahl lassen, wie er die Teile einsetzt, und ich habe tatsächlich ziemlich viel Spaß daran, sie anzubringen – besonders wenn ich meinen Lieblingstrick anwende: Viele wissen das nicht, aber der Griff des Schraubenschlüssels in jedem Set lässt sich tatsächlich dazu nutzen, Aufkleber aufzunehmen und perfekt anzubringen. Das ist super befriedigend!
Die überraschende Verwendung von Teilen ist ein wesentliches Merkmal der LEGO Speed-Champions-Sets.

Du hattest die Gelegenheit, den M3 E30 im Workshop mit dem Designteam der BMW Group aus nächster Nähe zu studieren. Gibt es Designmerkmale an diesem Fahrzeug, die dir besonders gefallen?
Es war mir eine Ehre, die Gelegenheit zu erhalten, die BMW Zentrale zu besuchen und das Auto aus nächster Nähe zu studieren, zumal ich zuvor noch nie die Chance hatte, in einem E30 M3 zu sitzen! Es gibt so viele Merkmale, die es vom serienmäßigen E30 abheben, und als ich das Fahrzeug aus nächster Nähe sah, fiel mir wirklich auf, wie anders sich das Gesamtgefühl des Autos im Vergleich zu den anderen Modellen anfühlt. Die Statur, wie muskulös und gespannt die Oberflächen sind und wie ein paar subtile Änderungen das Gefühl des Autos komplett verändern, war in natura wirklich beeindruckend.
Du hast Fahrzeugdesign studiert. Das ist eine einzigartige Kombination, insbesondere für dieses Projekt. Kannst du uns mehr darüber erzählen, wie deine Leidenschaft für Autos und dein persönlicher Hintergrund dieses Projekt beeinflusst haben?
Als ich bei der LEGO Group anfing, dachte ich, meine Leidenschaft für Autos würde ein Hobby bleiben, obwohl sich viele meiner Designfähigkeiten gut auf die Welt der Spielzeuge übertragen ließen. Im Laufe des letzten Jahrzehnts, während wir unser Portfolio mit Fahrzeugmodellen ausgebaut haben, insbesondere durch LEGO® Speed Champions, bot sich mir die Gelegenheit, meine Hobby-Leidenschaft und meine Arbeit zu verbinden. Es ist großartig, dass ich diesen Hintergrund nun für das Design von LEGO Autos nutzen kann! Dieses Projekt war eine perfekte Gelegenheit, mit Kreativen aus der Automobilbranche zusammenzuarbeiten und diese Leidenschaften in einem fantastischen Produkt zu vereinen.

Name: Michael Scully
Beruf: Head of Design, BMW M
Ausbildung: Carnegie Mellon University, 1995 BFA Industrial Design
Fahrzeugdesigner, weil: Vor meinem Studium des Industriedesigns hatte ich einen Hintergrund im Motorsport und in der Bildhauerei. Autodesign hat die Fähigkeit, all diese Aspekte zu vereinen, und für mich ist es besonders bereichernd, Fahrzeuge zu entwerfen, die nicht nur überragende Leistung bieten, sondern ihre Absicht auch durch eine klare Ästhetik zum Ausdruck bringen.
Lieblingsset von LEGO: LEGO® Williams Racing FW14B (auf meiner Wunschliste!)
Lieblingsauto von BMW M: BMW M Hybrid V8 LMDH Rennwagen
Michael, gutes Design hat oft etwas mit hohem Wiedererkennungswert zu tun. Wie würdest du vor diesem Hintergrund den BMW M3 E30 aus den 1980er-Jahren einordnen?
Der M3 E30 war ein Homologationsmodell, dessen Ziel es war, durch eine verbreiterte Spurweite mit zusätzlichen „Box-Flare“-Kotflügeln einen leistungsstärkeren Rennwagen zu schaffen und diesen gemäß den Vorschriften den Kunden zugänglich zu machen. Diese authentische Motorsport-Tradition von Anfang an ist grundlegend für die Identität des M3, und der E30 hinterließ einen äußerst sportlichen ersten Eindruck!


Der erste BMW M3 ist ein Meilenstein in der Geschichte der M GmbH und gilt als Designikone. Was bedeutet er für das heutige Design der Marke und was bedeutet er für dich persönlich?
Da der Motorsport dem M3 von Anfang an innewohnt, ist es mir wichtig, die funktionalen Aspekte des Fahrzeugs zu betonen und den Antriebsstrang zu würdigen. Daraus ergibt sich die leistungsorientierte Authentizität des Designs.

Auf welches Detail des neuen BMW M3 Modellsets von LEGO® Speed Champions bist du besonders stolz?
Die Lackierung greift optisch die für LEGO typische, aus Schichten aufgebaute Blockform auf und verweist gleichzeitig mit einem markanten, diagonalen Muster, das sich über das gesamte Fahrzeug zieht, auf die Rennlackierungen von BMW M Motorsport aus Vergangenheit und Gegenwart. Zusätzlich zu dem kontrastreichen Layout zelebriert die große Zahl 40 auf der Motorhaube ein bedeutendes Jubiläum des M3 Serienfahrzeugs in einer grafischen Sprache, die wiederum von der geometrischen Ästhetik von LEGO inspiriert ist.
Hast du als bekennender LEGO Fan jemals versucht, ein BMW oder BMW M Modell von Grund auf nur mit LEGO Steinen und deiner Fantasie zu bauen? Und wie findest du das neue LEGO® Speed-Champions-Set?
Autos, an deren ursprünglichem Design ich mitgearbeitet habe, etwa am BMW M Hybrid V8 und BMW M4 GT3, nun gemeinsam mit meinem kleinen Sohn in LEGO Form zu bauen, ist ehrlich gesagt ziemlich surreal. Aber das sind bereits vorhandene Bausätze. Vor Kurzem eskalierte die Sache, als mein Sohn fragte, ob wir einen Rennwagen, den ich besitze, von Grund auf neu bauen könnten: einen 1975er Shadow DN6 Formula 5000. Das war als schneller beziehungsweise pragmatischer Eigenbau supercool. Zu sehen, wie er das Modell mit dem echten Auto verglich, war fantastisch, ebenso wie das Zusammenspiel der unterschiedlichen Maßstäbe von Mensch und Maschine zu beobachten.
Kreativität, Dreidimensionalität, das Ausprobieren neuer Designansätze oder das Umsetzen von Designideen in ein anderes Format: Hast du als Designer automatisch eine gewisse Affinität zu LEGO Steinen?
Unsere Zusammenarbeit mit LEGO am E30 M3 zum 40. Jubiläum war eine fantastische Reise, bei der sich der Kreis geschlossen hat, da fast alle Mitglieder des BMW M Designteams in einem prägenden Alter beim Spielen mit LEGO Steinen unweigerlich ihre kreative Berufung gefunden haben. Nun gemeinsam mit dem LEGO Team sowohl an der Geometrie als auch an der Lackierung des BMW E30 M3 zu arbeiten, ist eine Gelegenheit, diese wichtigen Grundlagen wieder aufzugreifen und einem Serienauto Tribut zu zollen, das auch uns wieder jung fühlen lässt.
Neben dem ausgeprägten räumlichen Vorstellungsvermögen, das die Arbeit mit LEGO vermittelt, wird meiner Meinung nach auch ein gewisser Einfallsreichtum gefördert. In der Tat ist Not die Mutter der Erfindung, und wenn man eine vordefinierte Palette an Bausteinen zur Verfügung hat, entstehen oft die besten und einfallsreichsten Ergebnisse, wenn man diese Teile zu neuen Konstellationen umfunktioniert.
Vielen Dank, Will und Michael, für das Interview.







